Wohnen ohne Hürden - Altersgerechtes Bauen

von Michael Giglhuber (Kommentare: 0)

Barrierefreies Wohnen: Ein Begriff, der nicht nur für ältere oder gesundheitlich beeinträchtigte Menschen gilt, sondern für alle.

„Dass wir eines Tages vor der Entscheidung stehen, unser Haus und unser gewohntes Umfeld zu verlassen, haben wir beim Bau unseres Hauses nicht bedacht.“ Vor dieser Problematik stehen viele Menschen, bei denen die häuslichen Gegebenheiten nicht mehr mit den veränderten Anforderungen, aufgrund des Alters oder gesundheitlicher Beeinträchtigungen, im Einklang stehen.

Wer sich in jungen Jahren den Traum vom Eigenheim erfüllt, denkt nicht darüber nach, dass er eines Tages vielleicht nicht mehr so mobil ist. Zugegeben, das Thema „Barrierefreiheit“ ist eine schwere Kost und widerstrebt dem ästhetischen Empfinden der jungen Bauherrenschaft. Trotzdem sollte man sich die Mühe machen, ein paar wichtige Aspekte dieser Thematik von Beginn an zu beachten. Denn oftmals holt einen das Unerwartete schneller ein als gedacht. Einem Großteil der Menschen ist es ein starkes Bedürfnis im Alter oder bei gesundheitlichen Problemen weiterhin in ihrem vertrauten Umfeld zu leben. Und weil sich in den eigenen Räumen Hindernisse auftun, entsteht der starke Wunsch nach verändertem Wohnkomfort. Dann heißt das Zauberwort „Barrierefreies Wohnen“.

Erstaunlicherweise sind in Deutschland aktuell die wenigsten Wohnungen barrierefrei, nämlich gerade mal fünf Prozent, schenkt man einer Studie des Bundesministeriums für Bau-, Stadt- und Raumforschung glauben. In diesem Artikel erhalten Sie daher ein paar Grundgedanken zu diesem Thema für Wohngebäude.

Was bedeutet barrierefreies Bauen?
Es bedeutet, Wohngebäude so zu planen und zu bauen, dass sie von allen Menschen, ohne fremde Hilfe und ohne jegliche Einschränkung, genutzt werden können. Darin sind die Wohnräume, aber auch Nebenräume und Nutzflächen eingeschlossen.

Neubau oder Umbau
Wer bereits beim Neubau vorausschauend barrierefrei plant, hat es naturgemäß leichter als derjenige, der erst später ein bestehendes Gebäude dafür umbauen muss. Dennoch gilt, dass sich grundsätzlich jedes Gebäude für einen Umbau eignet. Die folgenden Tipps und Regeln gelten daher für beide Arten des barrierefreien Bauens, den Neu- und / oder Umbau.

Das A und O einer richtigen Planung ist ein detaillierter Grundriss. Er fängt mit einem „durchdachten Wohnkonzept“, z. B. mit einem erdgeschossigen Bungalow oder einem Eigenheim an, in dem das Erdgeschoss bei Bedarf zur separaten Wohneinheit ohne Treppen umfunktioniert werden kann. Sprich, dieser Bereich sollte mit Wohnbereich, Küche, Bad und Schlafzimmer ausgestattet sein.

Zudem sollte Wert auf große, sogenannte „Verkehrsflächen“ gelegt werden. Dazu gehört auch ein ausreichend dimensionierter Windfang. Als Anhaltspunkt: Bewegungsflächen im Windfang, vor einem Waschbecken oder am Tisch, müssen für Rollstuhlfahrer mindestens 150 x 150 Zentimeter messen. Auch Treppen werden im Alter häufig zu einem unüberwindbaren Hindernis. Am zweckmäßigsten sind Treppen mit einer Breite von einem Meter, am besten gradläufig, damit später bei Bedarf problemlos ein Treppenlift eingebaut werden kann. Eine Ausleuchtung der Stufen einer normalen Treppe sowie beidseitige Handläufe sind zudem eine echte Hilfe beim Treppensteigen.

Badezimmer
Im barrierefreien Badezimmer ist eine ausreichend dimensionierte Bewegungsfläche außerordentlich wichtig. Bodengleichheit und Rutschfestigkeit erfüllen im Bad wichtige Funktionen – vor allem in der Dusche. Schwierig ist meist die Benutzung einer Badewanne. Diese wird daher oft zur Dusche umgebaut und mit Haltegriffenund Sitzmöglichkeiten ausgestattet. Toiletten und Waschbecken lassen sich bei entsprechendem Modell mittlerweile in der jeweils gewünschten Höhe einstellen oder in die gewünschte Position fahren. Bei der Toilette empfiehlt es sich an die Aufstehhilfe zu denken.

Küche
Die Küche sollte so konzipiert sein, dass die Bewohner die Kochutensilien gut erreichen können – Rollstuhlfahrer inbegriffen. Höhenverstellbare Oberschränke und unterfahrbare Arbeitsplatten erfüllen die Voraussetzungen für barrierefreies Kochen. Schränke können durch ausziehbare Schubladen, wie bspw. aus Apotheken bekannt, ersetzt werden. Der Fachhandel bietet zahlreiche Möglichkeiten, der Küche ein komfortables Innenleben einzuhauchen.

Wohnräume
Praktisch und für Rollstuhlfahrer eigentlich Pflicht sind 100 Zentimeter breite Türen. Noch besser geeignet sind Schiebetüren. Mit einem stufenlosen Hauseingang und dem Verzicht auf Stufen innerhalb des  Wohnbereiches hat man weniger Stolperfallen und ein rollstuhlbefahrbares Haus. Außerdem sind ebene, durchgehende Böden wesentlich schicker und wirken großzügiger, ebenso wie ein schwellenloser Übergang zur Terrasse oder zum Balkon.

Sonstiges
Eine ausgesprochen sinnvolle Alternative zu den althergebrachten Methoden des Baugewerbes stellen große Teile des barrierefreien Bauens dar. Das gilt insbesondere für die Elektroinstallation. Wer sagt denn, dass Lichtschalter unbedingt mehr als einen Meter über dem Fußboden angebracht werden müssen? In einer Höhe von 85 Zentimeter können auch kleinere Kinder diese viel besser erreichen und für Erwachsene ist die Höhe viel ergonomischer.

Elektrische Einrichtungen im Haus rücken immer mehr in den Mittelpunkt. Seit Jahren gibt es die sogenannte Bus-Technik. Diese Form der Elektroinstallation ist zwar noch immer vergleichsweise teuer, dafür sehr komfortabel und für ein barrierefreies Wohnen geradezu ideal. Rundum-Sorglos-Pakete bieten Haus-Manager, mit denen man alle elektronisch gesteuerten Annehmlichkeiten in einem komplexen System einfach regeln kann. Die Bus-Technik, auch mit dem Begriff „Hausautomation“ umschrieben, übernimmt wichtige Teilaufgaben hinsichtlich „altersgerechter Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben“, wie z. B. das Öffnen und Schließen von Türen, Fenstern und Rollläden. Auch das Ein- und Ausschalten der Beleuchtung und elektrischer Geräte funktioniert mit dem System unkompliziert.

Fazit:
Lebensqualität ist ein hohes Gut.
Dazu zählen vor allem Wohnqualität und Wohlbefinden
in den eigenen vier Wänden bis ins hohe Alter.
Barrierefreies Wohnen kann einen wesentlichen Beitrag
zu einer lang anhaltenden Lebensqualität leisten.

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